Um Veränderungen erfolgreich anzugehen, braucht es Ziele. Ziele geben die Richtung vor und schaffen Orientierung, sie bündeln Energie und Aufmerksamkeit und sie gestalten aktiv die Zukunft. Das ist noch nicht alles, Ziele helfen auch dabei, die Eigenverantwortung zu aktivieren, indem sie aktiv das Unterbewusstsein steuern und die Wahrnehmung externer Faktoren verändern.

Eine gute Zielarbeit, also die Kreation sinnvoller, hilfreicher Ziele, ist immens wichtig, möchte man Veränderungen wirkungsvoll und nachhaltig angehen und dauerhaft davon profitieren.

Wie schwierig es sein kann, tiefgreifende Veränderungen anzupacken, habe ich im letzten Blogartikel beschrieben. Dies trifft vor allem dann zu, wenn es um den kompletten Lebensentwurf geht. Eines der verbreiteten Probleme in unserer industrialisierten Welt ist die Unzufriedenheit mit unserem eigenen Leben, obgleich wir doch in Sicherheit und Wohlstand leben. Dennoch sind Menschen in weniger weit entwickelten Umfeldern oftmals glücklicher – obwohl sie nicht selten mit Armut und Elend zu kämpfen haben.

Oberziele und Zwischenziele

Vishen Lakhiani, ein hervorragender Denker und Coach aus den USA und Gründer von Mindvalley, hat sich eingehend mit diesem Thema beschäftigt und eine Methode entwickelt, die mich in meiner Arbeit als Coach und Experte für Veränderung sehr inspiriert hat.

Vishen unterscheidet zwischen „Oberzielen“ und „Zwischenzielen“ und stellt die These auf, dass viele Menschen beides vermischen. Oberziele machen uns tatsächlich glücklich, sie sind sozusagen das Resultat der Menschlichkeit. Sie bestehen zum Beispiel aus einem glücklichen Familienleben, einem erfüllten Privatleben und einem Beruf, der sinnerfüllt ist. Es geht hier aber auch darum, der Gesellschaft zum Beispiel wohltätige Dienste zu erweisen.

Zwischenziele hingegen sind der Schulabschluss oder die Wahl eines Berufes. Oftmals konzentrieren wir uns so sehr auf diese Zwischenziele, dass Oberziele aus dem Fokus geraten. Auf diesem Wege geraten wir schnell in ein Leben innerhalb der Komfortzone – bequem, recht sicher, aber wenig erfüllend und nicht wirklich glücklich.

Was möchten wir wirklich?

Bei genauerem Hinsehen stützt sich das Leben auf genau drei Säulen:

  • Die eigenen Erfahrungen
  • Das persönliche Wachstum
  • Der eigene Beitrag zur Gesellschaft

Unsere Oberziele, also die Ziele, die uns im Leben wirklich glücklich machen, basieren allesamt auf diesen drei Säulen. Daraus ergeben sich die drei wichtigsten Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man sich neue Ziele setzt und sich auf den Weg heraus aus der Komfortzone macht.

Diese Fragen lauten:

  • Welche Erfahrungen möchte ich im Leben gemacht haben (bevor ich mal den Löffel abgebe)?
  • Wie möchte ich wachsen und mich entwickeln?
  • Was möchte ich zu der Welt, in der wir leben, beitragen?

Die Beantwortung dieser Fragen macht nicht nur unheimlich viel Spaß, sie eröffnet auch ganz neue Blickwinkel, die durchaus auch außerhalb unser gesellschaftlichen Strukturen liegen können. Nicht selten haben Klienten festgestellt, dass ein weniger anstrengender Job ihnen viel mehr Freude machen würde – auch auf Kosten einer schlechteren Bezahlung.

Trauen Sie sich – und staunen Sie!

Unterhalb dieses Artikels können Sie ein Arbeitsblatt herunterladen, welches genau diese drei Fragen beinhaltet. Nehmen Sie sich einmal die Zeit und füllen Sie die drei Spalten aus. Besonders effektiv ist die Übung, wenn Sie sich eine Stoppuhr zu Hilfe nehmen, die Ihnen nicht mehr als 90 Sekunden pro Frage gibt. So zwingen Sie sich, Ihren ersten Impulsen und Eingebungen zu folgen. Es geht hier nicht um rationale Gedanken oder gar Zweifel, sondern nur um Ihre Wünsche und Träume.

  • Eigene Erfahrungen
    90 Sekunden für die erste Frage nach den eigenen Erfahrungen sind nicht viel. Zeit und Geld sollen keine Rolle spielen. Denken Sie einmal darüber nach, welche Erfahrungen Sie gerne machen möchten – in Sachen Privatleben, Liebe, Freundschaften, Gesundheit, Fitness, Beruf und so weiter. Welches Auto möchten Sie mal fahren, welches Haus bewohnen?
  • Persönliches Wachstum
    Das persönliche Wachstum gehört erwiesenermaßen zu den wichtigen Faktoren, wenn es um Glücksgefühle und Freude am Leben geht. Der Mensch muss sich weiterentwickeln, um seinem Leben einen Sinn zu geben. Wer aufhört zu wachsen, der schrumpft. Nehmen Sie sich auch hier 90 Sekunden und denken Sie einmal an Ihr intellektuelles Leben. Welche Bücher möchten Sie lesen? Welche kulturellen Veranstaltungen besuchen? Welches Musikinstrument spielen? Welche Fähigkeiten möchten Sie erlernen? Gibt es eine Sprache, die Sie beherrschen möchten? Wie möchten Sie sich charakterlich entwickeln? Hier kommen Stichworte wie Ehrlichkeit, Toleranz, Offenheit ins Spiel. Wie sieht es mit Ihren Führungseigenschaften oder auch Ihrem spirituellen Leben aus?
  • Beitrag zur Gesellschaft
    Nun haben Sie 90 Sekunden für Ihren Beitrag zur Gesellschaft. Auch hier gilt: der Mensch wird glücklicher, wenn er geben kann. Denken Sie an Ihre Familie und Ihre Freunde, aber auch Ihren Arbeitsplatz, Ihre Stadt oder Ihr Land. Gibt es eine ehrenamtliche Arbeit, die Ihnen Freude machen könnte? Gibt es ein Projekt, welches Ihnen am Herzen liegt? Was können Sie tun, um die Welt ein wenig besser zu machen?
Auch für Unternehmen augenöffnend

In Unternehmen kann diese schlichte Übung dabei helfen, die Zusammengehörigkeit innerhalb von Teams zu verbessern und das Verständnis untereinander zu fördern. Wie? Ganz einfach: teilen Sie das Arbeitsblatt ihren Mitarbeitern aus und lassen Sie sie diese Übung machen. Im Anschluss können Sie die Zettel öffentlich aushängen. Sie werden sehen, wie nach wenigen Tagen ein ganz anderer Spirit entsteht, wenn Kollegen sich darauf einlassen, die Wünsche, Träume und Visionen der Kollegen zu erfahren und zu verstehen.

Immer wieder bin ich erstaunt, wie augenöffnend diese kleine Übung sein kann. Ich ermuntere Sie, sich einmal darauf einzulassen. Gerne können Sie mir Ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen mitteilen. Ich würde mich sehr freuen, davon zu hören und mit Ihnen darüber zu sprechen.