Es gibt zwei grobe Synonymbedeutungen für Veränderung:

  1. Begriffe wie Änderung, Abwandlung, Korrektur, Modulation, Überarbeitung, Umänderung, Umarbeitung, Umbildung, Umformung, Umgestaltung, Umwandlung lassen eine enorme Vielfalt der Begrifflichkeit deutlich werden. Bildungssprachlich bzw. fachsprachlich kommen noch hinzu:
  • Modifikation, Modifizierung, Revision oder Transformation
  • Novellierung (vor allem in Politik und Rechtswissenschaft)
  • Biologisch-wissenschaftlich auch in Begriffen wie Evolution, Mutation und Mimikry-Prozess.
  1. Auch Begriffe wie Abkehr, Abwendung, Neuerung, Neugestaltung, Neuregelung, Umbruch, Umkehr, Umschwung, Umstellung, Wechsel, Wandel, Wende, Wendung lassen die Spannbreite der Veränderung erkennen.

Damit beschreibt der Begriff „Veränderung“ den Ablauf oder Verlauf einer stofflichen oder nicht-stofflichen Umwandlung, also eines Wechselprozesses innerhalb einer gewissen Zeitspanne.

Das sind die einleitenden Worte, die man lesen kann, wenn man den Suchbegriff “Veränderung” bei Wikipedia eingibt. Das erste, was ich getan habe, als ich begann, mich mit dem Thema zu befassen. Dann habe ich mir ein paar der genannten Begriffe herausgeschrieben: Modulation, Umformung, Umgestaltung, Abkehr, Neuerung, Neugestaltung, Umbruch, Wandel und Wende. Die anderen fand ich zu negativ.

Und Wikipedia sagt noch etwas Interessantes:

Veränderungen können innere und äußere Ursachen haben. Entsprechend der Rolle und dem Überwiegen entweder der inneren oder äußeren Ursachen für die Veränderungen eines Objektes kann unterschieden werden in:

  • überwiegende Selbstveränderung (als Fähigkeit: die Veränderlichkeit)
  • überwiegendes Verändertwerden (als Fähigkeit oder Möglichkeit: die Veränderbarkeit)

Daraus ergab sich für mich ein schon recht komplettes Bild dessen, was Veränderung ausmacht. Ich selber tue das, was ich heute tue, nur aufgrund einer Veränderung, die meine Gesundheit betraf. Das fällt wohl unter die Kategorie “überwiegendes Verändertwerden”, also eine äußere Ursache.

Heute arbeite ich regelmäßig mit Menschen, denen es – bleiben wir im Wikipedia-Jargon – um eine “überwiegende Selbstveränderung” geht. Meine Klienten haben die Veränderung quasi in der Hand, wir sprechen also von inneren Ursachen.

Was hält uns von Veränderung ab?

Wenn wir es aber doch selbst in der Hand haben, uns in eine bestimmte Richtung zu verändern – warum fällt es oft so schwer? Woran liegt es, dass wir nicht einfach mit dem Rauchen aufhören können, obwohl wir es so gerne würden? So viel sei verraten: es liegt beileibe nicht alleine an der physischen Sucht – die ist nach wenigen Tagen überstanden. Wie kann es sein, dass Heerscharen von Coaches und Veränderungsmanagern diesen Markt bevölkern und fleißig ihre Dienste anbieten? Und – zu guter Letzt – wie kann es sein, daß Menschen überhaupt Geld in die Hand nehmen, um Veränderungen anzugehen, statt es einfach alleine und völlig kostenlos zu tun?

Um diese Fragen zu beantworten, begeben wir uns einmal auf das Feld der modernen Hirnforschung und schauen, warum der Mensch so gerne an Gewohntem festhält.

Wir alle kommen neugierig und begeisterungsfähig zur Welt. Neugeborene sind neugierig und formbar. Das ist übrigens eine Besonderheit bei Menschenbabys – Neugeborene aus dem Tierreich sind bereits deutlich weiter entwickelt und weniger leicht zu beeinflussen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Menschen keine natürlichen Feinde mehr haben, vor denen es den Nachwuchs zu schützen gilt.

Im Laufe der Entwicklung werden wir „erzogen“. Dazu gehört auch die Entwicklung von Glaubenssätzen, die uns unser gesamtes weiteres Leben lang begleiten. Glaubenssätze sind Ergebnisse aus Erfahrungen und Erlebnissen, die im Unterbewusstsein gespeichert sind und bleiben. Ein Beispiel ist der Vater, der seinen kleinen Sohn nichts selber machen lässt und dies mit der Aussage begründet, der Kleine könne das nicht. Ein solcher Glaubenssatz bleibt hängen – ob man möchte oder nicht.

Der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther sagte einmal, es gebe einen fatalen Weg, wie Menschen sich und ihr Hirn vor Veränderungen „schützen“. Sie lernen, ihre Gefühle zu unterdrücken. Aber genau diese Gefühle sind nötig, um ein eingeschliffenes Verhalten zu ändern. Sie aktivieren die emotionalen Zentren im Gehirn und sorgen so für die Ausschüttung von wachstumsfördernden Botenstoffen – Voraussetzung für den Umbauprozess von Verschaltungsmustern im Gehirn.

Die oben erwähnten Glaubenssätze tragen zu diesem „Schutz der Gefühle“ bei. Je mehr blockierende Glaubenssätze ein Mensch im Laufe seiner Kindheit aufgeschnappt hat, desto schwerer fallen ihm Veränderungen und das Akzeptieren neuer Aspekte.

Die Komfortzone verlassen

Gleichwohl sagt Hüther aber auch, dass die zur Aktivierung von Gefühlen notwendigen Verschaltungen auch im Gehirn Erwachsener vorhanden sind. Jeder war schließlich einmal Kind. Um also entsprechende Emotionen auszulösen, bedarf es neuer Eindrücke. So verspüren viele Erwachsene, die eine neue Sprache oder ein Musikinstrument erlernen, Gefühle der Euphorie und Erfolgserlebnisse, die sie seit ihrer Kindheit völlig vergessen hatten.

Die Hirnforschung hat durch bildgebende Verfahren gezeigt, dass das Gehirn auch in hohem Alter veränderbar ist. So viel zur Theorie. Um jedoch Veränderungen tatsächlich zu erreichen, muss man seine Komfortzone verlassen. Innerhalb der Komfortzone lebt es sich recht bequem, aber eben nicht immer glücklich. Der Job ist da, um Geld zu verdienen, Hobbies kosten nur Zeit, der Fernseher ist doch auch eine schöne Abendbeschäftigung. Aber genau aus diesen tristen Alltagserlebnissen entsteht über die Jahre eine latente Unzufriedenheit, gepaart mit dem Wunsch, etwas zu verändern. Je stärker dieser Wunsch wird, desto höher ist der Leidensdruck und irgendwann machen wir uns doch mal auf den Weg und versuchen, uns zu verändern.

Die Erfolgsquote hängt maßgeblich von unserer Euphorie, von unserer Begeisterungsfähigkeit ab. Hier sind sie also wieder, die Fähigkeiten, die wir als Kind hatten und über die Zeit oftmals vergessen haben.

Stellen Sie sich einmal selbst folgende Fragen:

  1. Habe ich schon einmal einen Veränderungswunsch verspürt? (Das kann schon der gute Vorsatz sein, endlich mehr Sport zu treiben.)
  2. Habe ich versucht, diesen Wunsch umzusetzen oder habe ich es gleich bleibenlassen?
  3. War die Umsetzung erfolgreich oder habe ich aufgegeben?

Es ist unnötig, Ihre Antworten hier zu analysieren – Sie werden wahrscheinlich selbst darauf kommen, worauf ich hinaus möchte.

Um eine Veränderung tatsächlich beizubehalten, muss daraus möglichst zügig eine Gewohnheit werden. Warum? Weil Gewohnheiten Bestandteil der Komfortzone sind und nicht hinterfragt werden. Hat man sich also angewöhnt, sich im Alltag regelmäßig zu bewegen, wird dies zur Gewohnheit und damit ein angenehmer, gerne geduldeter Bestandteil des Alltags. Ergo: Gewohnheiten sind erfolgreiche Veränderungen.

Gewohnheiten sind erfolgreiche Veränderungen

Aus neurobiologischer Sicht sind Gewohnheiten Tätigkeiten, die automatisch vollführt werden. Das Gehirn liebt Automatismen, denn sie sparen Energie und wertvolle Ressourcen. Das Bedienen der Pedale beim Autofahren ist ein solcher Automatismus, der in der Fahrschule zunächst ungewohnt ist, aber dann schnell ablaufen kann, ohne dass man darüber nachdenken muss. Das Gehirn kann sich nach einiger Übung beim Autofahren auf wichtigere Dinge wie zum Beispiel den Verkehr konzentrieren. Gas geben, Kuppeln und Bremsen sind Automatismen geworden.

Inzwischen ist vielleicht auch ein wenig klarer geworden, weshalb externe Hilfe bei Veränderungsvorhaben durchaus hilfreich sein kann. Ein guter Coach steht zur Seite, wenn es um die kritische Betrachtung eines Veränderungswunsches und um dessen Formulierung geht. Er hilft bei der Auflösung blockierender Glaubenssätze und hilft dabei, sie in positive Antreiber umzuwandeln. Und er begleitet auf dem Weg vom Vorsatz zur tatsächlichen Veränderung, denn dieser ist oft steinig und man ist versucht, unterwegs umzukehren.

Wir stehen uns auf dem Weg zu einer erfolgreichen Veränderung also oft selbst im Weg, auch wenn es noch so einfach klingt und wir es selber wirklich wollen. Die Auflösung blockierender Glaubenssätze eröffnet oftmals ungeahnte Möglichkeiten und eine ganz neue Freiheit. Stellen Sie sich einmal selber die Frage, welche Glaubenssätze Ihnen im Weg stehen könnten.

Quellen

Wikipedia

Prof. Dr. Gerald Hüther